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Väter im Kreißsaal – Geburtserleben aus männlicher Sicht | Gynäkologie Darmstadt Anja Busert - Dr. Andrea Rachor

Väter im Kreißsaal – Geburtserleben aus männlicher Sicht

by admin ~ Dezember 15th, 2012. Filed under: Allgemein, Geburtshilfe, Psychiatrie, Psychosomatik.

Auf dem diesjährigen Kongress der DGPPN – Deutschen Ges. f. Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde vom 21.-24.11.2012 in Berlin wurden die Ergebnisse einer Studie von Frau Valenka Dorsch und Frau Prof. Dr. Anke Rohde zum Thema „Geburtserleben und postnatale Befindlichkeiten von Vätern“ vorgestellt (Poster P024-004, DGPPN-Kongress 2012). Hintergrund der Untersuchung ist das Hinterfragen des seit etwa 30 Jahren herrschende gesellschaftliche Diktums, welches besagt,

  • dass die Anwesenheit der werdenden Väter bei der Geburt ihrer Kinder für diese grundsätzlich ein positives, die Bindung zu Mutter und Kind bestärkendes Erlebnis darstellt
  • dass Männer grundsätzlich die Frauen bei der Geburt unterstützten und damit zu einem günstigen Geburtsverlauf beitrügen

Die Studie zeichnet hier ein weitaus differenzierteres Bild: Tatsächlich ist die Anwesenheit bei der Geburt nicht für alle Väter ein positives Erlebnis – für manche bedeutet es sogar ein echtes Psychotrauma!

Das Geburtserleben bewerteten die Männer bei der normalen Entbindung am positivsten, bei ungeplantem Kaiserschnitt (sekundäre Sektio) am schlechtesten. Ähnlich war auch Bemühen der Männer, mit der Situationsanforderung „Geburt“ umzugehen (intrapartales Coping) bei der normalen Entbindung am leichtesten und die nachgeburtliche Enttäuschung am geringsten.

Eine Rückenmarksnarkose (Periduralanästhesie) wurde eher als störend empfunden und erhöhte messbar die Ängstlichkeit. Waren die Väter mit der Hebammenbetreuung zufrieden, war dies messbar verbunden mit nachgeburtlicher Erfülltheit, geringer Enttäuschung sowie dem Zeitempfinden.

Nur 14,3% der Väter gaben an, positiv über den Verlauf von Wehen und Entbindung überrascht worden zu sein. 85,7% gaben an, negativ überrascht zu sein, sei es durch Komplikationen (38,6%), Sektio (25,7%), eine lange Dauer der Geburt (12,9%) oder auch eine zu rasche Geburt (8,5%).

10,9% erlebten die Geburt sogar als sehr schrecklich oder sehr belastend. Einen Einfluss der Geburtsvorbereitungskurse auf die Entsprechung von Erwartungen und Erleben fand sich nicht.

Männer mit erhöhtem Depressionsscore nach der Edinburgh Postnatal Depression Scale waren häufiger enttäuscht, sahen ihre Erwartung besonders selten erfüllt, erlebten mehr Erschöpfung bei der Geburt und hatten signifikant weniger das Gefühl, die Situation unter Kontrolle zu haben. Die Erwartungshaltung vor Geburt war allgemein ein wichtiger Einflussfaktor für die Zufriedenheit mit der Geburt.

Die Autorinnen warnen: Klaffen Erwartung und Erleben zu weit auseinander, kann nicht nur Enttäuschungen, sondern eine regelrechte Traumatisierung resultieren!

Unser Fazit: Das Diktum des positiven Geburtserlebens bei Männern ist in Anbetracht von 85% negativer Überraschung und 10% Traumatisierung ein Mythos! Es sollten solche psychologischen Instrumente entwickelt werden, die es im Vorfeld einer anstehenden Entbindung erlauben, diejenigen werdenden Väter zu identifizieren, welche das elementare Erlebnis der Geburt positiv mutmaßlich erleben und so gesehen „Unterstützer“ sein können und umgekehrt im eigenen Interesse und im Interesse ihrer schwangeren Partnerinnen diejenigen zu erfassen, die die Geburt voraussichtlich belastend und traumatisch erleben werden.

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